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Zweites Abenteuer Bobby Box' - ... bis Black Bell

Da, wo du nicht bist, ist das Glück,
Weil, fahren wir ein kleines Stück,
Dem Glück entgegen - ohne Geld!
Der Bimmelzug kommt, wie bestellt.

Man muß es verstehen, die guten Gelegenheiten zu beschleichen. - Die alte Lokomotive schnaubte wie ein ungeduldiges Roß; sie bekam noch etwas Öl. Die letzten Vorbereitungen zur Abfahrt wurden getroffen; das Stückgut machte zu schaffen; auch gab es Abschiedsküsse. Jetzt war es Zeit. Der Poet Bobby Box schwang sich von der Rückseite des Zuges durch ein offenes Fenster in ein Wagenabteil, stieg gleich weiter und legte sich als blinder Passagier ins Gepäcknetz. - "Der gute Platz gehört dem Zahler!" dachte Bobby bescheiden und legte sich mit dem Gesicht zur Wand. Bild 36. Bandit und blinder Passagier Er hörte noch das Abfahrtsignal, das Stampfen und Anspringen des eisernen Rosses; dann schlief er fest ein. - So friedlich er schlief, so friedlich hing auch die kleine Flasche, welche ihm die beiden Diabolen an den Rockschoß geknüpft hatten, lang aus dem Gepäcknetz herunter. Das schreckliche Wort "Nitroglyzerin" war deutlich auf dem Etikett zu lesen. (Ein empfindlicher Explosivstoff wehe, wenn er explodiert!) - Unten auf der Bank - auf dem guten Platz lag auch einer und schlief. Ein "wilder Mann", ein Bandit, der nach seinem Prinzip: Moneten schonen! - nur mit blauen Bohnen bezahlte. Den entsicherten Revolver in der Hand lag er zwischen seinen sieben Sachen und schnarchte, daß sich sein langer struppiger Schnauzbart hob und senkte. Drei Stunden lang war der Zug im Zickzack durch die Landschaft gerollt, als der Bandit erwachte und sich von seinem Lager aufrichtete. Die kleine Flasche hing ihm direkt zwischen den Augen, und als er nach Luft schnappte, sog er förmlich das Wort "Nitroglyzerin" an seine Nase heran. Alles in seinem Körper wurde vor Schreck starr - er sah sich mitsamt dem Zuge schon in die Luft fliegen. - Ni-tro-gly-ze-rin!! - Er griff zur Notbremse die Schelle gellte. Rrrrrrruck! stand die ganze Bimmelbahn. Das schreckliche Wort "Nitroglyzerin" drang jetzt schneidend durch die unheimliche Stille. Auf und davon! hieß es! Wie im Sturmeswehen sah man die Passagiere sausen. Bald stand der Zug mit offenen Türen einsam und verlassen auf der weiten Ebene - ein altes Vehikel, ein vergessenes Überbleibsel aus dem letzten Jahrhundert.

Die Nacht kam auf. Ein säuselndes Schnarchen drang aus den öden Fenstern und Türen der verlassenen Wagen. Bobby Box träumte von der engelsgleichen Marygold. Doch als er erwachte, staunte er nicht wenig. Verträumt gähnte er den Mond an und fragte: "Wo bin ich hier?!" Der Mond schmunzelte und zeigte dem Fragenden in seinem silbernen Licht weite verlassene Steppen. - Nun war guter Rat teuer. Was sollte ein Poet allein in dieser Wildnis mit diesem eisernen Ungeheuer anfangen? Aber Bobby lachte vergnügt: "Das ist ein interessanter Fall; die Sache werden wir gleich haben!" Mit Feuereifer machte er sich ans Werk: - Er steckte die Lampen an - er sah nach dem Wasserstandglas, - dann püstete er mit einem großen Blasebalg das Feuer an und legte Holz und Kohle auf. - Kurze Zeit horchte Bobby gespannt; dann fing es im Kessel an zu summen. Nun probierte er einen Hebel nach dem anderen; einer mußte der richtige sein. - Piff! paff! puff! kam es von hier und da; aber das Monstrum blieb unbeweglich. Jetzt legte Bobby ein großes Gewicht um, das an einem Schalthebel saß. Aha! da erzitterte das Eisenroß, prustete und schnaubte, fletschte mit den Zähnen, stieß einen gewaltigen Dampfring aus und rückte stoßweise vor. - "Halloh, wir fahren !" rief Bobby Box begeistert aus. Langsam ging es vorwärts; aber etwas stimmte nicht; aus allen Löchern, Röhrchen und Rosten sprühte und dampfte es. Bild 37. Das Feuerross Mit Funkenstieben, mit dumpfem Magenknurren erreichte die Maschine endlich, rot bis in die Weichen. den Bahnhof Black Bell. Das Bahnhofspersonal floh entsetzt, als das glühende Untier in der Nacht heranrückte. - Bobby bremste. Schwarz wie ein Ofenrohr verließ der kühne Maschinist seinen Posten. Nun stand Bobby Box auf dem einsamen Bahnsteig; kein Mensch ringsum war zu sehen. Die Welt schien wie ausgestorben. Bobby drehte sich nach allen Seiten und rief: "Heda!" Dabei bemerkte er, daß ihm etwas am Rockschoß bummelte. Er griff danach; es war die Flasche, das kleine Ding, das so viel Panik ausgelöst hatte. Er entkorkte sie - kein Nitroglyzerin, kein Explosivstoff, wie die Aufschrift vermuten ließ, füllte ihr Inneres. Sie war leer. Nur ein starker Geruch von Mottenkampfer stieg ihm beißend in die Nase und betäubte ihn. Schnell warf er die Flasche von sich. Als sie in tausend Scherben zersprang, war es Bobby bei diesem Klingen und Springen, als ob er erst jetzt ganz wach würde. - War alles nur ein diabolischer Scherz gewesen?

Ein Scherz? Aber er war doch von Ruß geschwärzt! - Plötzlich regte es sich um ihn; von allen Selten kam jetzt das Bahnhofspersonal aus den Verstecken. Bobby fühlte sich irgendwie schuldbewußt; er faßte Reisetasche und Stock fester und fing an zu laufen. Um viele Ecken ging es herum, an Planken entlang, an Gegenständen und Büschen vorbei, bis er endlich an ein kleines Wasser kam, das still und friedlich im Mondschein dalag. Dick und groß stand hier auf einem Schild: "Baden verboten !" - "Allright!" dachte Bobby, "das Baden ist hier verboten für Leute, die es nicht nötig haben. Aber ich versotteter Erdenbürger bin sehr bedürftig! - Also los! Baden wir!" -

No Bathing

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